Für diese These ist Dr. Makonen Getu, gebürtiger Äthiopier, das lebende Beispiel. Beim Opportunity-Infoabend am 12. November im Swissôtel Zürich erzählte er als Gastreferent aus seinem ereignisreichen Leben. "Wäre ich nicht zur Schule gegangen, wäre ich jetzt wahrscheinlich schon tot oder am Hungern wie so viele meiner Nachbarn aus meinem Heimatdorf. Aber ich bin zur Schule gegangen. Ich bin am Leben. Ich stehe hier heute nur vor Ihnen, weil ich die Möglichkeit hatte, zur Schule zu gehen."
Makonen Getu ist ein Mitarbeiter von Opportunity International USA und für den Bereich „Strategic Alliances" verantwortlich. Er initiiert und koordiniert die Zusammenarbeit von Opportunity International mit anderen mildtätigen Organisationen.
Früher war er Hirtenjunge. Doch dann begann er, sich für Bücher zu interessieren und wurde in die Schule geschickt. Er war sehr begabt, ging auf die weiterführende Schule in Addis Abeba und studierte und promovierte in Stockholm. Dr. Getu wurde Spezialist für Entwicklungszusammenarbeit und arbeitete für die Vereinten Nationen, die schwedische Zentralbehörde für internationale Entwicklungszusammenarbeit, World Vision und nun für Opportunity International.
Beim Opportunity-Infoabend hielt er eine spannende Rede, in der er unter anderem erklärte, was Mikrofinanzierung mit einem Kochrezept zu tun hat: „Eine Kreditnehmerin hatte Probleme mit ihrem Ehemannn. Sie wusste nicht, wie man sein Lieblingsgericht Jerere, ein Gericht aus gelierten Okraschoten, zubereitet. Ihr Mann musste immer zu seiner Mutter gehen, wenn er es essen wollte. Seine Mutter wiederum wunderte sich, was das für eine Ehefrau ist, die noch nicht einmal richtig kochen kann.
Die Ehefrau war zutiefst beschämt. Doch dann lernte sie beim wöchentlichen Treffen der Mitglieder der Opportunity-Trustbankgruppe eine andere Frau kennen, die ihr zeigte, wie sie ein schmackhaftes Jerere zubereiten konnte. Sie kochte es für ihren Mann. Der fragte: 'Was ist los? War meine Mutter hier?'
Diese Geschichte zeigt uns, dass es oft die einfachen Dinge sind, die die Menschen belasten. Das Eheproblem dieser Klientin, das sie sehr bedrückte, konnte gelöst werden, weil wir die Menschen in eine Gruppe integrieren, deren Mitglieder sich gegenseitig unterstützen. Deswegen bieten wir nicht nur Schulungen zum Thema Unternehmensführung für unsere Kreditnehmer an, sondern wir besprechen mit ihnen auch ihre Alltagsprobleme.
Das ist es, was Mikrofinanzierung leisten will. Es soll nicht nur auf der finanziellen Ebene geholfen werden, sondern Mikrofinanzierung soll dazu beitragen, den Menschen ihre Würde zurück zu geben und ihr Leben ganzheitlich zu verändern."
Über 30 geladene Gäste lauschten gebannt dem Vortrag von Makonen Getu. Es war der erste Informationsabend von Opportunity International in der Schweiz. Zu diesem Anlass hatte sich Geschäftsführer George Kistler „Verstärkung" auf die Bühne geholt.
Stefan Knüppel, Vorstand von Opportunity International Deutschland, gab ein kurzes Interview, in dem er vor allen Dingen auf seine persönliche Motivation zu sprechen kam. Marketingleiterin Petra Weber, ebenfalls Opportunity International Deutschland, übernahm die Übersetzung für Makonen Getu. George Kistler selbst präsentierte seine Zukunftspläne für Opportunity International in der Schweiz.
Da das Thema Mikrofinanzierung für viele Zuhörer noch relativ unbekannt war, gab es nach den Vorträgen es noch viele Fragen, die vom Team beantwortet wurden. Auch nach der Veranstaltung diskutierten die Besucher in gemütlicher Runde bei warmen Häppchen eifrig weiter.
Weitere Infos zu Bildung und Opportunity-Microschools
Die Lebensgeschichte von Makonen Getu (übersetzt)
Presseartikel Idea Spektrum
Presseartikel Zürcher Unterländer